´╗┐ Die Erwartungshaltung an einen DJ – die Kolumne von Marc DePulse | trndmusik

Die Erwartungshaltung an einen DJ – die Kolumne von Marc DePulse


ÔÇ×DJ Jochen is in the town!ÔÇť Nat├╝rlich ist die Veranstaltung seit Wochen ausverkauft. Die Leute reiben sich schon schelmisch die H├Ąnde, die Raver-F├╝├če zucken bereits und die Social-Media-Nerds k├Ânnen ihr Gl├╝ck kaum in Kommas,,, oder Ausrufezeichen fassen!!!11!! Die Vorfreude auf einen DJ ist nat├╝rlich riesengro├č, wenn diese/r schon beim letzten Mal begeistert hat und die Erinnerungen daran noch in aller Munde sind. Und nat├╝rlich ist es auch der Anspruch des DJs selbst, diese fette Party nicht nur zu wiederholen, sondern diesmal noch einen drauf zu setzen.

Die Erwartungshaltung an einen DJ

Grafik: Daniel Gl├Ąser (ZOVV)

Hin und wieder sind es aber dann Momente wie diese, wenn man sich nach langer Reise in einer fremden Stadt alleine im Hotel langweilt, noch einige Stunden auf der Uhr hat und sich so seine Gedanken macht. Wie es wohl wird, was du spielen wirst, wie die Leute darauf reagieren werden. Unterbewusst kann man sich damit wunderbar verr├╝ckt machen. Obwohl es nat├╝rlich Quatsch ist. Schlie├člich wei├č man doch, was man kann und wie man die Leute in seinen Bann zieht. Doch ist dann immer wieder die gewisse Anspannung mit im Spiel, auch wenn man sich das nicht eingestehen mag. Lampenfieber ist keine Krankheit. Man merkt es meist erst nach dem Gig, wenn eine unsichtbare Last von einem abf├Ąllt. Aber Hand auf┬┤s Herz: dieses Kribbeln h├Ąlt frisch zwischen den Ohren, denn so bleibt man stets fokussiert. Und ich bin gl├╝cklich dar├╝ber, dass es bei mir nach ├╝ber 15 Jahren des Auflegens auch immer noch kribbelt.

Aber nat├╝rlich gibt es sie: Die Gigs, wo man einfach nicht reinkommt. Die Momente, wo man in Gedanken gerade wo ganz anders ist, man neben sich steht, der Funke nicht ├╝berspringen mag. Vielleicht auch, weil die Technik spinnt, die Limo nicht schmeckt, der Veranstalter ein Kauz ist. Situationen, wo du einfach nur Mensch bist, aber die versammelte Meute vor dir steht, dich anstarrt und schlichtweg erwartet, dass du z├╝ndest.

„Bei dem Geld, was die verdienen – da m├╝ssen die doch besser spielen!“

Es ist nicht die Angst des DJs, den falschen Knopf zu dr├╝cken. Vielmehr treibt es einem die Schwei├čperlen auf die Stirn, wenn man nicht den perfekten Folge-Track findet, w├Ąhrend Track A Sekunde f├╝r Sekunde runter l├Ąuft. Tick, tack, tick, tack. Der Stoff, wovon DJ-Albtr├Ąume gemacht sind. Es ist aber genau diese Erwartungshaltung, die das zahlende Publikum an ihren DJ stellt: er/sie m├Âge bitte einfach funktionieren, zu dem perfekten ├ťbergang ein L├Ącheln im Gesicht haben und den Drop mit einem ├╝ber-coolen Move zelebrieren – es aussehen zu lassen, als w├╝rde man den lieben langen Tag nichts anderes machen.

Ich habe die Diskussion h├Ąufig mit meinem Vater, wenn wir zusammen Fu├čball schauen. ÔÇ×Bei dem Geld, was die verdienen – da m├╝ssen die doch besser spielen!ÔÇť ist sein Beklagen. Aber ist es das Geld, was einem Fu├čballer bei einem schlechten Spiel durch den Kopf schie├čt? Nein, nat├╝rlich nicht. Und der Branchenvergleich hinkt nicht. Denn vom DJ wird gleichsam erwartet, dass er/sie abliefert, dass die unb├Ąndigen Erwartungen der G├Ąste erf├╝llt werden und sich der entrichtete Obolus zumindest im Hinterkopf amortisiert hat. Aber auch DJs sind nur Menschen, greifen mal daneben, treffen nicht immer den richtigen Nerv. Was gestern in Hamburg noch super funktioniert hat, floppt heute in M├╝nchen vielleicht auf ganzer Linie. DJ zu sein hei├čt kein Programm abzuspulen, sondern auch mal Experimente zu wagen. Auch wenn man Musik ÔÇ×aus der KonserveÔÇť spielt, darf man ja trotzdem K├╝nstler sein. Mehr als schiefgehen kann es zwar nicht, aber nat├╝rlich hofft man, dass alles gut wird und man nicht versagt. Und meist ist es dann einer dieser Gl├╝cksmomente, der dich mit den Leuten vereint, der den Schalter umlegt und die imagin├Ąre Handbremse l├Âst.

Ich denke, da geben mir viele Kollegen Recht: Manchmal muss man sich erst selber ein bisschen geil finden, um diese B├╝hnen-Ausstrahlung dann auch unter die Crowd zu bringen. Denn die Lockerheit gewinnt man erst, wenn man von sich selbst ├╝berzeugt ist, den inneren Einklang gefunden hat. In erster Linie ist es also die Erwartungshaltung an sich selbst, die das ganze Kopfkino ausmacht. Schlie├člich will man sich ja auch immer wieder aufs Neue begeistern.

Die Kolumne von Marc DePulse.